36° C und es wird noch heißer. Hier in Hamburg kommt zudem die hohe Luftfeuchtigkeit hinzu, die unsere aktuelle Hitzewelle unerträglich macht. Egal ob in der Freizeit, bei der Arbeit oder nachts – die Luft steht still und erzeugt Dampfbad-Atmosphäre, während ein Kleidungsstück nach dem anderen innerhalb von Minuten durchgeschwitzt ist.
Wie kann man der Hitze entkommen? Gerade in diesen Tagen häufen sich im Internet Beiträge, Blogposts und Artikel mit Tipps gegen qualvolle Schweißausbrüche und gestaute heiße Luft. Welche davon tatsächlich hilfreich sind – und welche eher das Gegenteil bewirken, habe ich getestet.

Foto: Jenny Downing (flickr.com)
- Gut mit Hut. Der Stern schreibt: “Ein Hut schützt vor Sonnenbrand und Sonnenstich – darunter bleibt der Kopf immer etwas kühler und überhitzt nicht so schnell. Auch er sollte lieber hell als dunkel sein, damit es darunter nicht zu heiß wird.”
Na denn. Schwupps, Strohhut mit extrabreiter Krempe (Schatten!) aufgesetzt und durch den sonnigen Tag gestapft. Bereits nach 10 Minuten merke ich: Mein Kopf wird unweigerlich heiß. Schweiß läuft die Stirn runter, es kratzt und juckt unter der geflochtenen Kopfbedeckung.
Dazu sollte gesagt werden: auf meinem Kopf tummelt sich eine wilde, dicke Lockenmähne. Wird die durch einen Sonnenhut an den Schädel gepresst, fühlt es sich an, als hätte ich eine Pelzmütze auf.
Fazit: Ein leichter Sonnenhut ist nur sinnvoll für Menschen mit Glatze oder feinem, glatten Haupthaar. Meine Alternative wäre ein locker sitzendes Seidentuch, keck gebunden im Stil der Fünfziger Jahre. - Manche mögen’s dunkel. Ein weiterer Tipp im Stern: “Damit sich das Schlafzimmer nicht allzu sehr aufheizt, schließen Sie die Vorhänge oder Rollläden auch tagsüber und lüften Sie es nur morgens und abends, wenn es etwas kühler ist.”
Dies gehört im Sommer zu meinem normalen Verhalten. Um zu testen, was für einen Unterschied es tatsächlich macht, habe ich bewusst diesen “Tipp” einen ganzen Tag nicht befolgt.
Morgens alle Fenster auf Kipp gestellt, Gardinen weit auf und dann ab zur Arbeit. Zehn Stunden später hatte die Wohnung Saunatemperaturen angenommen.
Fazit: Räume im Sommer unbedingt so dunkel wie möglich halten – es hilft! - Siesta, olé! Der Tippscout rät: “Gönnen Sie sich in der Mittagszeit ein kurzes Nickerchen. Zehn bis 30 Minuten ist die ideale Länge. Mehr sollte es nicht sein, weil Sie sonst in die Tiefschlafphase geraten.”
Innerhalb der Arbeitswoche kann ich mir eine Siesta nicht leisten, also wird der Rat am Wochenende befolgt. Um 14 Uhr gehts ab ins Bett.
Um 14:10 Uhr bin ich noch hellwach und heize mich langsam aber sicher auf. 14:20 Uhr – die Augen sind weit offen, keine Spur von Müdigkeit. Die Bettwäsche ist nassgeschwitzt. Es ist 14:30 Uhr, trotz geschlossener Gardinen viel zu hell zum Einschlafen. Um 14:40 Uhr wird es mir zuviel. Verärgert stehe ich auf.
Fazit: an heißen Sommertagen sollte nur Mittagsschläfchen halten, wer Kind, Rentner oder wirklich müde ist. Ich zumindest kann nicht auf Knopfdruck einschlafen – besonders nicht in der Hitze. - Minidusche & Minibad. Noch ein Anti-Hitze-Tipp des Tippscouts: “Kalte Arm- und Beinduschen bringen Sie auf Trab. Auch ein kaltes Fußbad macht Hitze-müde Menschen munter.”
Auf gehts. Bei ersten Hitzewallungen wird also Kaltwasser aufgedreht und ab damit über die Unterarme und Waden, fünf Minuten lang. Angenehmer Effekt, der nach der Minidusche jedoch leider nicht lange hält. Nach 20 Minuten kriecht die Wärme wieder in die Knochen und lässt den Schweiß fließen.
Anschließend wird das kalte Fußbad ausprobiert. Wenn man zu Hause sowieso eine gewisse Zeit vor dem PC sitzt, kann man die Füße auch in eine Schüssel mit kaltem Wasser hängen lassen. Inklusive Eiswürfel, damit die Kälte nicht nach wenigen Minuten wieder verfliegt. Siehe da: kühle Füße, kühler Kopf.
Fazit: Für leichte Abkühlung zwischendurch sind kalten Miniduschen fürArme und Beine geeignet. Wirkungsvoller ist ein kaltes Fußbad – jedoch nur, wenn man eine gewisse Zeit sitzend an einem Ort verweilen kann und nicht in Eile ist. - Beine hoch! Der Focus sagt: “[...] vielen Menschen, die sonst eigentlich keine Schwierigkeiten mit schweren Beinen haben, schwellen bei Hitze die Knöchel an. Am besten ist, die Beine hoch zu lagern.”
Probieren wir’s aus, passt schließlich ganz gut: Nach Feierabend sind Füße und Knöchel dicker als sonst. Also gehts ab aufs Sofa, viele, viele Kissen unter die Füße und mit einem guten Buch entspannen.
Schon bemerke ich das erste Problem: gerade wenn es warm ist, verspüre ich den Drang, häufig meine Position zu wechseln. Irgendwann wird mir das mit den Kissen zu warm.
Fazit: Experiment abgebrochen. Vielleicht ist der Tipp wirksamer bei Menschen, die lange in dieser Position verharren können. - Trinken – aber richtig! Im Forum StudisOnline rät eine Userin: “Kaltes Trinken kühlt nur für den Moment ab, alles Zuckerhaltige ist Tabu, zimmerwarmer/-kalter Pfefferminztee ohne Zucker ist ideal.”
Gut, mal für einen Tag gibt es nichts Gekühltes zu trinken. Stattdessen sind alle Getränke auf Zimmertemperatur. Und als Krönung gibt es den lauwarmen Pfefferminztee. Hm. Bisschen fad, aber wenn es hilft… und es hilft!
Fazit: Viel Trinken ist immer gut. Und wenn kalte Getränke nur für Sekunden kühlen und danach den Kreislauf anregen und somit für Hitzewallungen sorgen – dann ist wohl alles Lauwarme ideal. - Handtuch als Gardine. In der Frage-Antwort-Community WerWeißWas gibt ein Nutzer den Rat: “In südlichen Ländern hängen die Menschen tagsüber feuchte Tücher vor das Fenster, damit die Sonne erst einmal das Wasser verdampft (tut sehr gut!).”
Am späten Nachmittag dusche ich ein großes Handtuch, wringe es so aus, dass es nicht mehr tropft und hänge es ans Fenster. Schnell merke ich, wie das Wasser aus dem Handtuch verdampft. Zunächst schafft es eine angenehme Kühle im Raum, doch schnell steigt die Luftfeuchtigkeit im Zimmer an. Es wird schwül, stickig und tropisch.
Fazit: Nicht zu empfehlen. Es sei denn, man will den Regenwald in der Wohnung züchten und Schimmel in den Wänden gleich mit.
Foto: Kevin Dooley (flickr.com)
Und auch auf der Microblogging-Plattform Twitter haben Nutzer zahlreiche, wenn auch manchmal skurrile Tipps gegen Hitze parat:
- Thermalwasserspray immer zur Hand haben (machbar), in einer Wanne voller Eiswürfel baden (auch machbar, kostet jedoch Überwindung).
- Kühlgelpads auf die Augen und Kokosmilchdrink in die Hand.
- Computer abschalten!
- Immer ein leeres Freibad mitnehmen.
- Auswandern. (Vielleicht nach Island?)
- Mit Petrus ein ernstes Wörtchen reden. (Hat mal jemand seine Kontaktdaten?)
- Den Schlafplatz in den Keller verlegen.
Was tut ihr, um bei diesen hochsommerlichen Temperaturen einen kühlen Kopf zu bewahren?
